Bevor Sie von den auf den folgenden Seiten vorgestellten Herdenschutzhunden und anderen sich in Not befindlichen Hunden zu sehr beeindruckt und begeistert sind, möchten wir einige grundsätzliche Anmerkungen über die Vermittlung machen, damit Sie Ihre Situation zur Aufnahme eines Tieres realistisch einschätzen können.

Zwar sind die meisten Tierheime ständig zum Bersten voll - trotzdem dürfen wir niemals aus den Augen verlieren, dass wir den Tieren verpflichtet sind, sie nur zu vermitteln, wenn die Gegebenheiten dafür sprechen, dass das neue Zuhause bis ans Lebensende unter artgerechten Bedingungen gewährleistet ist. Das Tier darf weder "vom Regen in die Traufe" kommen, noch hat es Sinn, sich für ein Tier zu entscheiden, nur weil es auf dem Foto so niedlich, erbarmungswürdig oder imposant aussieht.

Ziel jeder Vermittlung ist es, dass nach einer gewissen Eingewöhnungszeit alle Beteiligten miteinander klarkommen und dass ein dauerhaftes und friedliches Zusammenleben bei vollem Familienanschluss sowie die Erfüllung artentsprechender Bedürfnisse des Tieres gewährleistet sind.

Jede gescheiterte Vermittlung bedeutet einen schweren seelischen Schock, von dem sich manche Tiere nur schwer oder gar nicht erholen. Noch schlimmer: das Tier kann zwar bleiben, fühlt sich aber in seinem neuen Zuhause nicht wohl. In vereinzelten Fällen kann dies auch vorkommen, wenn z.B. ein Hund im Tierheim schon längere Zeit im Rudel gelebt hat und seine neuen Bezugspersonen seine Integration ins Rudel "Familie" nicht zulassen, weil sich einzelne Familienmitglieder gegen das neue Tier sträuben.

Für die Übernahme eines Hundes setzen wir einiges voraus:

Ideal: Haus mit Garten (für Herdenschutzhunde bis auf einige Ausnahmen Bedingung).

Möglich: Eigentumswohnung (oftmals Einverständnis der Miteigentümer erforderlich).

Möglich: Mietwohnung, die in Größe und Lage den Bedürfnissen des Hundes entspricht (schriftliche Einverständniserklärung des Vermieters erforderlich).

Welpen werden grundsätzlich nur an Personen abgegeben, die in der ersten Zeit ganztägig anwesend sind.

Erwachsene Hunde können nach gründlicher Eingewöhnungszeit halbtags allein gelassen werden, sofern sie nicht aufgrund vorheriger Erfahrungen unter Verlassenheitsängsten leiden.

Hundehaltung in Zwinger, Scheune, Schrebergarten oder gar Kettenhaltung wird von uns generell abgelehnt. Jeder übernommene Hund muss die Gewährleistung des vollen Familienanschlusses erhalten.

Überwiegende Haltung im Freien (Hof oder Grundstück direkt am Haus) wird lediglich in Ausnahmefällen und nur bei Hunden, die nie an eine Wohnung gewöhnt waren, zugestanden.

Das ganze Grundstück muss ausbruchsicher eingezäunt sein. Erforderlich ist eine erwachsene Bezugsperson und ständiger freier Zugang zum Haus.

Dass mit den vermittelten Hunden nicht für Nachschub durch "Züchten" gesorgt werden darf, sollte selbstverständlich sein. Vornehmlich aus diesem Grund werden die Hunde nur kastriert abgegeben oder auf eine Kastration im neuen Zuhause bestanden.

Auch wenn die genannten Voraussetzungen von Ihnen erfüllt werden, sollten Sie überprüfen, ob Sie ebenfalls den Erwartungen des neuen Hausgenossen an seine neue Familie standhalten können:

Sind Sie bereit, für Ihren Hund - falls erforderlich - Ihren Alltag zu ändern, auf manche lieb gewordene Bequemlichkeit zu verzichten und mit Liebe, Geduld, Konsequenz, aber auch mit Humor und Toleranz seinen Eigenheiten zu begegnen?

Können Sie akzeptieren, dass Ihr Hund aus dem Tierschutz möglicherweise schwerwiegende Erlebnisse der Vergangenheit verarbeiten muß (Verlassenheit, Misshandlungen, falsche Erziehung)? Sind Sie geduldig genug und bereit, ihm diese Zeit zu geben? Je nach Rasse, Alter und Vorgeschichte kann seine volle Familien-Integration bis zu 6 Monaten und vereinzelt auch länger dauern.

Werden Sie die Zeit für eine sorgfältige Erziehung des Hundes haben?

Werden Sie bei eventuell auftretenden Schwierigkeiten unseren oder den Rat eines anderen erfahrenen Hundetrainers in Anspruch nehmen? Werden Sie dem Hund ermöglichen, sich an seinem neuen Heimatort vorhandene Artgenossen zu gewöhnen?

Ist Ihnen bewusst, daß auch ein großer Garten Ihrem Hund nicht den täglichen mehrstündigen Spaziergang ersetzt? Sie müssen mit ihm raus, egal wie scheußlich das Wetter auch ist. Er braucht den Kontakt mit der Außenwelt, zu Bezugspersonen und zu Spielgefährten. Immer nur im eigenen Garten eingesperrt langweilt er sich zu Tode, bewegt sich viel zu wenig und vermisst die ganzen aufregenden Sinneswahrnehmungen eines Spaziergangs. Kinder allein sollte man einen Hund nicht spazierenführen lassen.

Haben Sie an eine zuverlässige Urlaubslösung für Ihren Hund gedacht? Ideal wäre natürlich, das neue Familienmitglied auch in die Familien-Urlaubsplanung mit einzubeziehen. Tierheim oder herkömmliche Hundepensionen mit ausschließlicher Zwingerhaltung sind für Urlaubszwecke nicht gerade zu empfehlen, da Ihr Hund dann annehmen muss, wieder abgeschoben worden zu sein. Falls er nicht gemeinsam mit der Familie auf Reisen gehen kann, wäre sein Verbleiben in der gewohnten Umgebung, sofern ein Familienmitglied oder eine ihm gut bekannte Person für die Zeit Ihrer Abwesenheit bei ihm einzieht und sich liebevoll um ihn kümmert am Besten. Für problemfreie Hunde wäre evtl. ein privater Pflegeplatz zu empfehlen.

Haben Sie gründlich überprüft, ob kein Mitglied Ihrer Familie auf Hundehaare allergisch reagiert?

Haben Sie die Zustimmung jedes Familienmitglieds und aller, die sonstwie ein Mitbestimmungsrecht beanspruchen?

Haben Sie bedacht, dass mit der Anschaffung eines Hundes Kosten auf Sie zukommen, die nicht restlos kalkuliert werden können (Futter, Impfungen und sonstige Tierarztkosten, Hundehaftpflicht-Versicherung, Steuern etc.)?

Sind Sie sicher, dass Ihr jetziger guter Wille für zehn und mehr Jahre, also für ein ganzes Hundeleben, ausreicht?

Damit Ihr Zusammenleben mit Ihrem Hund nicht gleich beim ersten "Beschnuppern" zum Scheitern verurteilt ist, sollten Sie die Wesensunterschiede der einzelnen Rassen sowie deren unterschiedlichste Bedürfnisse und Ansprüche kennen und bei Ihrer Wahl berücksichtigen. Ausführliche Informationen über die Herdenschutzhunde befinden sich auf dieser Homepage - sind Sie unsicher, oder haben weitere Fragen, dann scheuen Sie sich bitte nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen.